HISTOIRE, CULTURE


St-Ursanne und Moutier-Grandval
Im Tale des Doubs soll sich nach der Überlieferung, die, zwar umstritten, nach
neuester Auffassung doch sehr viel Wahrscheindlichkeit für sich hat, ein Mönch
von Luxeuil, Ursicinus, der mit Columban dieses Kloster verlassen hatte, in
einer Höhle als Eremit niedergelassen haben. Aber, wie so mancher andere aus
dieser Mönchsgruppe, verband er mit seiner Weltflucht doch auch die Missionie-
rung, die aus dem vorgelebten Beispiel besondere Stärke gewann. Von Zelle und
Kapelle des Ursicinus konnte archäologisch nichts festgestellt werden, aber
frühe Sarkophage und ein Kreuzrelief belegen doch schon für das 7. Jahrhundert
ein christliches Zentrum an der Stelle des heutigen St-Ursanne und seiner
Stiftskirche.

Da die Abtei Luxeuil zu viele Mönche zählte, suchten deren Äbte Filialklöster zu
gründen. Durch den Herzog des Elsass wurde ihnen an der wichtigen Route von Basel
durch den Jura Richtung Aventicum-Genfer See-Rhonetal und Grosser St. Bernhard
Land geschenkt, wo ein paar Mönche eine kleinere klösterliche Siedlung errichte-
ten und mit der Rodung des Gebietes begannen. An ihre Spitze wurde ebenfalls ein
aus Luxeuil stammender Mönch, Germanus, gestellt, der in den Konflikten der Be-
wohner des Gebietes mit dem Alamannenherzog als Vermittler den Tod gefunden hat.
Dies förderte den Ruhm und das Ansehen der geistlichen Niederlassung, die
schlechthin Monasterium (Moutier) genannt wurde, häufig später mit dem Zusatz
Grandisvallis (Grandval) nach ihrer Lage. Neben der von Bobolenus verfassten Vita
des Germanus, der bald als Heiliger verehrt wurde, erinnert an ihn in der Kirche
von Delsberg aufbewahrte Germanusstab, einer der frühesten und kostbarsten geis-
tlichen Hirtenstäbe mit nur ganz schwacher Krümme, die mit Goldblech und Alman-
dineinlagen in Zellen geschmückt ist und noch aus dem 7. Jahrhundert stammt.
Die Blütezeit mit geistlicher und geistiger Strahlungskraft erlebte Moutier-
Grandval im Hochmittelalter. Die heute im British-Museum aufbewahrte Alcuin-
Bibel stammt aus diesem Kloster.

Die Kultur der Schweiz

von Dietrich W.H. Schwarz

Zurich, Verlag Berichthaus
mit 254 Abbildungen, 4 Farbtafeln und 4 Karten.

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