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Aus Alt-Rauracien. Von Dr. Otto Schenker in Pruntrut *** Ein anderer Schüler Colomban's, der 615 in Bobbio gestorben war, neben dem Hl. Gall und Sigbert, war St. Ursicinus. Während Gallus das Werk seines Meisters im östlichen Helvetien, Sigbert in Rhätien fortsetzte, ging Ursicinus nach Nor- den an den Bielersee, wo er einige Zeit verblieb und hoch verehrt wurde, und dann, seinem Hang zu einsamem, beschaulichem Leben folgend, überschritt er die wilde Jurakette, die eine nach der andern, in Gemeinschaft mit einem andern irischen Mönch "St. Fromont". Die Sage erzählt uns, wie die beiden Mönche, nicht wissend, wohin sie sich wenden sollten, auf dem Mont Repais (Rangiers, Rebetch) den Himmel um Entscheidung anrisen und ihre Pilgerstäbe weit von sich warfen. Derjenige Fromont's wäre in die Ajoie niedergefallen in der Nähe von Bonfol, wo Jahrhunderte durch diesem Heiligen grosse Berehrung gezollt wurde; der Stab des Ursicinus aber verschwand im engen, tiefen Thal des Doubs, wo sich später die kleine Stadt erhob, die seinen Namen trägt (St. Ursanne). Dem himmlischen Zeichen gehorchend, folgte Ursicinus dem Laufe des Doubs und vergrub sich in eine Höhle, welche die Natur gebildet und den wilden Thieren zur Zuflucht gedient hatte. Betend und fastend, umrauscht von den Eichen des Berges, in den Schlaf gesungen von dem Wogen und Brausen des wilden fischrei- chen Flüsschens, verbrachte er in seiner Höhle verschiedene Jahre in grösster Abgeschiedenheit, bis die Hirten der benachbarten Höhlen und verirrte Reisen- de seinen Zufluchtsort fanden, den hehren Worten des Evangeliums laufchten und die Kunde davon zu ihren Angehörigen trugen. Weit und breit strömte nun die Menge herbei; bald folgten mehrere eifrige Bekehrte dem Beispiel ihres Meisters und bauten sich Hütten am Fusse des Berges, worin sich die Höhle befand. Bald konnte er sich eine Kapelle und ein kleines Haus bauen, worin er gemeinsam mit seinen Schülern nach St. Colomban's Weise lebte; er selbst starb 620. Zehn Jahre später liess sich ein edler Franke, Wandergisel, der am Hofe König Dagobert's gelebt, und den der Ruf und die Heiligkeit des Ursicinus an sein Grab gerufen, im nämlichen Thale nieder, erweiterte das kleine Kloster und darf als der eigentliche Gründer der Abtei angesehen werden (Xavier Kohler). *** in: Vom Jura zum Schwarzwald (1890) S. 94-95, 1 Abb.
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